Tiefküchen

Wer keine Küche von der Stange haben möchte, steht erst einmal vor einem Problem: Was vom Standard abweicht, das gibt es nicht. Dieses Szenario habe ich in mehreren Küchenstudios erlebt, bis ich zu einem Studio mit angeschlossener Schreinerei gelangt bin, welche die Kosten für meine Wünsche auf 15-20.000 Euro beziffert hat. Eins vorweg: Das ist leider realistisch, da die Planung und Installation aufwendig ist.

„Geht nicht. Gibt’s nicht.“

Für eine einfache weiße Arbeitsplatte mit Hochdrucklaminat und ebenso simple weiße Schränke aus Pressspan empfand ich diese Kosten dennoch als zu hoch, zumal das Studentenbudget so viel doch nicht hergab. Die Tiefe der Arbeitsfläche sollte 90cm umfassen (Standard: 60), die Küchenschränke sollten 60cm tief sein (Standard 45cm) und an der Decke befestigt (Standard: Wand).
In Küchenstudios bekam ich die 90cm tiefen Arbeitsplatten auch angeboten, doch auf die Frage, ob es dafür auch passende Unterschränke gibt, welche die volle Tiefe unter der Platte füllen können, gab es nur die Antwort:

„Gibt’s nicht.“

„Warum?“

„Weicht vom Standard ab.“

„Aha.“

Ein typisches gesellschaftliches Problem: Was vom Standard abweicht, ist nicht akzeptabel.

Wo ein Wille, da ein Weg.

Dabei gibt es tiefe Arbeitsplatten überall zu kaufen. So habe ich meine schlichte weiße Platte, die mit Hochdrucklaminat beschichtet ist, für 200 Euro beim schwedischen Möbelhaus erstanden (diese Maße sind nur vor Ort bestellbar). Die Spanplatten für die weißen Schränke gab es vom Schreiner meines Vertrauens, die samt Türen, Beschlägen und Schublade mit 800 Euro zu Buche schlugen. Für diesen Preis sollte man aber mithelfen können – das damalige Schulpraktikum in einer Schreinerei hat sich als Lernen für’s Leben herausgestellt – auch, wenn Kanten fräsen und das Legen der Platten auf die CNC-Fräse sehr einfache Arbeiten sind.

Kosten

Die Planung und Installation der Küche hat etwa zwei Wochen mit zwei Personen gekostet, so dass 7000 Euro dafür zu veranschlagen sind (2 Personen, 5 Tage, 45 Euro für die Handwerkerstunde). Wer aber handwerklich geschickt ist, messen und rechnen kann und Mut für Excel und CNC-Software mitbringt, der spart sich dieses Geld. So ist die Küche ohne Geräte für rund 1000 Euro statt 15-20.000 Euro entstanden.
Ich muss aber zugeben: Nochmals so eine Küche von Hand zu planen, muss wirklich nicht sein. Deshalb ist eine Software in Arbeit, die genau eines kann – einzeilige tiefe Küchen berechnen, die man online direkt bestellen kann. Was man bekommt, ist wie vom Schweden – aber diesmal nach Maß.